Vom Studium zum Durchstarter-Unternehmen: die Gründer von „Frank Juice“

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16. Oktober 2019

Aktivkohle, Apfelessig und blaues Spirulina im Glas? Wenn es um gesunde Shots und Säfte geht, sind Marco Gariboldi (34), Korbinian Gerstl (32) und Daniel Andreoli (31) Experten. Als die drei Freunde 2013 gemeinsam New York besuchen, sind sie erstaunt, wie grün es die Amerikaner mögen: Überall gibt es grüne Smoothies und Säfte zu kaufen, der Cleansing-Trend ist allgegenwärtig. Begeistert von der Idee starten die drei Freunde erste eigene Saftexperimente im Keller eines Schwabinger Restaurants. Die Ergebnisse überzeugen. Ihr Unternehmen „Frank Juice“ ist geboren. Mittlerweile gibt es die leckeren Säfte, Shots und Suppen sowohl online als auch in bekannten Supermärkten zu kaufen. Wir treffen Co-Gründer Daniel Andreoli zum Interview in München übers Fasten, über Saft-Trends und ein Verpackungsdilemma.

 

homtastics: Woher kommt der Name „Frank Juice“?

Daniel Andreoli: Der Namensgeber ist tatsächlich keiner der Gründer oder ein saftliebender Großvater, er kommt vielmehr daher, dass „frank“ auf englisch „ehrlich“ bedeutet – und weil bei unseren Produkten wirklich nur das drin ist, was vorne drauf steht, fanden wir diesen Namen passend.

Wie kam es zu der Idee?

Korbi, Marco und ich waren 2013 zusammen in New York und dort ist uns die Omnipräsenz von grünen Säften aufgefallen. Wir haben uns gefragt, wieso es das nicht auch in Deutschland gibt und mit dieser Idee im Gepäck sind wir nach Deutschland zurückgekehrt, haben sie ein bisschen weitergesponnen, herum probiert und verfeinert.

Woher kennt ihr einander?

Korbi kenne ich schon mindestens seit 15 Jahren. Marco und Korbi haben sich während ihres Studiums in Wien kennengelernt. Marco kommt ursprünglich auch aus München und wir kannten uns ein bisschen aus dem Nachtleben.

Was habt ihr vor „Frank Juice“ gemacht?

Marco und Korbi kamen direkt aus ihrem Studium. Ich war schon ein Jahr vorher mit meinem Studium fertig und habe noch kurz im Bereich der Personalberatung gearbeitet. Wir haben alle drei BWL studiert.

Dann seid ihr also mehr oder weniger gleich nach dem Studium ins eigene Business gestartet?

Ja, und das ausgerechnet in der Lebensmittelbranche, die sowieso nicht ganz einfach ist. Da wir quasi branchenfremd waren, haben wir uns natürlich Hilfe von außen, sprich Ernährungsberater, geholt.

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Nussmilch und Säfte von „Frank Juice“

Wie seid ihr die Sache angegangen?

Wir hatten wirklich Glück. Freunde haben uns im Keller ihres Wirtshauses in Schwabing, dem „Weinbauer“, einen gefliesten Raum, der alle Kriterien der Lebensmittelbehörde erfüllt hat, zur Verfügung gestellt. Zudem durften wir dort auch die Kühlung mit nutzen. So haben wir auf acht Quadratmetern unser Projekt gestartet. Das war schon eine toughe Zeit, aber dafür kann uns in dem Segment niemand etwas vormachen, weil wir alles selbst entwickelt und ausprobiert haben. Wir haben dort alles gemacht, von der Produktion bis zur Verpackung. Anfangs haben wir auch unsere Familien mit eingespannt, um die Flaschen zu etikettieren – es war eine sehr spannende Zeit.

 

Wir haben alles gemacht, von der Produktion bis zur Verpackung. Anfangs haben wir unsere Familien mit eingespannt, um die Flaschen zu etikettieren – es war eine sehr spannende Zeit.

 

Wie habt ihr euch damals finanziert?

Über eine Stammeinlage von 25.000 Euro für die GmbH. Wir hatten Glück, dass unsere Maschinen am Anfang nicht viel gekostet haben. Das erste Investment für die Maschinen betrug ungefähr 6.000 Euro, dazu kam natürlich noch das Verpackungsmaterial und die Flaschen. Für die Räumlichkeiten mussten wir damals, Gott sei Dank, nichts bezahlen.

Ist es manchmal nicht schwierig, zu dritt eine Entscheidung zu treffen?

Nein, das funktioniert sehr gut. Dadurch, dass wir zu dritt sind, gibt es nie ein Unentschieden, es gibt immer eine demokratische Mehrheitsentscheidung. Klar, wir sind unterschiedliche Charaktere, aber grundsätzlich finden wir immer einen Konsens. Wir haben auch jeder seinen eigenen Aufgabenbereich, allerdings gibt es da inzwischen sehr viele Überschneidungen. Man kann beispielsweise die Finanzen nicht losgelöst vom Marketing und der Logistik sehen, weil alles ineinander läuft. Wir arbeiten zwar relativ autonom in unseren Bereichen, müssen uns aber selbstverständlich immer abstimmen.

Mit welchem Produkt habt ihr angefangen?

Der Ursprung war unsere Cleanse-Kur. Bei dieser Kur wird auf feste Nahrung verzichtet, die Mahlzeiten werden durch Säfte ersetzt – also Saftfasten. Wir wollten damit sozusagen den „Kurgedanken“ in die Märkte bringen. Unsere Suppen kamen 2017 dazu, weil vielen unserer Kunden etwas Warmes gefehlt hat.

Wie habt ihr eure Produkte anfangs überhaupt auf den Markt gebracht?

Zunächst haben wir Säfte für uns gemacht, Freunde haben das mitbekommen und gefragt, ob wir für sie welche mitmachen könnten. Zu der Zeit war Social Media noch kein so riesiges Thema wie heute – natürlich gab es Facebook und auch Instagram, aber damals konnten wir relativ günstig, ohne großes Budget, Influencer-Marketing betreiben. Wir haben also Influencer angeschrieben und einige sind auch auf uns zugekommen. So kam es dazu, dass beispielsweise Lena Gercke etwas über uns gepostet hat. Wir kannten sie über zwei Ecken und mussten dafür kein Geld ausgeben, was natürlich der Hammer war. Das hat uns unheimlich viel Aufmerksamkeit gebracht.

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Daniel Andreoli ist Co-Gründer von Frank Juice.

Was ist der Hauptgedanke hinter euren Saftkuren?

Bei uns geht es vor allem um eine Ernährungsumstellung, oder auch als Cut nach Genussphasen wie Weihnachten. Da ist Saftfasten auf jeden Fall eine gute Methode, um Motivation zu erlangen, etwas an der eigenen Ernährung zu verändern.

Also ähnlich wie Heilfasten?

Ja, schon, allerdings in abgeschwächter Form. Bei uns ist es kein Nullfasten, man nimmt ja schon Kalorien zu sich. Mit unserer Cleanse-Kur fällt das Fasten etwas leichter und es ist abwechslungsreich. Außerdem sind wir Fans vom Kurzzeitfasten – lieber nicht so lange, aber dafür häufiger.

Eure Kuren sind konzipiert von einem bis zu sieben Tagen.

Genau, man kann entweder nur einen Fasten-Tag einlegen oder die Kur bis zu sieben Tage ausdehnen. Wir würden unsere Kunden gerne zu der sogenannten 5:2-Methode bringen, weil viele Studien hier langfristige, positive Effekte auf die Gesundheit belegen. Dabei isst man fünf Tage pro Woche normal und fastet an zweien. Bei dieser Methode kann man sich die Fasten-Tage wunderbar so einteilen, wie es persönlich am besten passt. Wir raten zumindest dazu, dass man regelmäßig, vielleicht einmal im Monat, fastet.

Wir raten dazu, dass man regelmäßig, vielleicht einmal im Monat, fastet.

Wie setzen sich eure Kuren zusammen?

Die Zusammensetzung und Reihenfolge unserer Säfte folgt einer bestimmten Logik, damit der Körper die Nährstoffe optimal aufnehmen kann. Man fängt mit dem grünen Saft an, weil man in der Früh die Nährstoffe am besten aufnehmen kann und endet abends mit dem Mandelmilch-Drink, weil der am gehaltvollsten ist.

Wir unterscheiden außerdem zwischen Saft- und Suppenkuren. Bei den Saftkuren nimmt man sechs Säfte am Tag zu sich, bei der Suppenkur wird ein Saft durch eine Suppe ersetzt. Innerhalb dieses Gebildes haben wir drei verschiedene Stufen: Starter, Medium und Pro. Starter ist am abwechslungsreichsten, sodass jeder Saft einmal vertreten ist, perfekt für Fasten-Einsteiger. Bei Medium wird ein Fruchtsaft durch einen zweiten grünen Saft ersetzt. Und die Pro-Variante besteht hauptsächlich aus grünen Säften und ist gleichzeitig auch das basischste Produkt.

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Blaues Spirulina ist eine der Zutaten dieses Kokoswasser-Drinks.

Was unterscheidet eure Produkte von denen anderer Anbieter mit einem ähnlichen Sortiment?

Zum einen bieten wir keine Smoothies an. Bei Smoothies werden die Zutaten gehäckselt oder es wird Püree oder Konzentrat verwendet. Wir verwenden nur die Essenz aus dem Obst und Gemüse und unsere Produkte sind viel flüssiger. Auch das Produktions- und Haltbarkeitsverfahren unterscheidet sich enorm von den meisten anderen Anbietern. Wir arbeiten mit einem Kaltpressverfahren in Kombination mit dem sogenannten HPP-Verfahren zur Haltbarkeitsmachung. Bei diesem Verfahren werden Keime durch Druck abgetötet und das Produkt somit haltbar gemacht. So können wir ein Maximum an Nährwerten gewährleisten. Bei den meisten anderen Smoothies und Säften ist es so, dass die Zutaten pasteurisiert, also erhitzt werden, dadurch gibt es einen Verlust beim Nährwertgehalt und der Geschmack verändert sich auch. Wir sind das frischere Produkt, haben eine andere Konsistenz und verwenden nur ganzes Obst und Gemüse.

Neben Suppen und Säften bietet ihr auch gesunde Shots an. Diese beinhalten unter anderem Aktivkohle und Apfelessig – zwei aktuelle Trend-Zutaten. Was können diese Inhaltsstoffe?

Unsere drei Shots sind alle auf Ingwer-Basis, mit relativ viel Ingwer in konzentrierter Form, was gut für das Immunsystem ist. Apfelessig und Aktivkohle wirken sich besonders positiv auf den Darm aus. Das Thema Darmgesundheit ist immer noch ziemlich unter dem Radar, weil die Menschen ungern darüber sprechen. Spätestens seit dem Buch „Darm mit Charme“ kommt das Thema allerdings langsam in der Mitte der Gesellschaft an. Denn ein gesunder Darm trägt maßgeblich zum Wohlbefinden bei.

 

Apfelessig und Aktivkohle wirken sich besonders positiv auf den Darm aus.

 

Welche anderen Trends erkennt ihr im Bereich Säfte und gesunde Shots?

Ein großes Thema, das es zwar schon länger gibt, das aber immer mehr kommen wird, ist Milchersatz. Das Thema Darmgesundheit wird ebenfalls weiter wachsen. Was wir auch sehen, sind sogenannte Performance-Drinks. Das sind Drinks für Leute, die beispielsweise in ihrem Job keine Zeit finden, etwas zu essen. Sie können mit einem solchen Drink den gesamten Bedarf an Kalorien und Nährstoffen abdecken. Solche Drinks sind aber meist recht künstlich, und spielen für uns daher keine Rolle.

Wie habt ihr die Rezepturen für eure Säfte entwickelt?

Wir haben mit Ernährungswissenschaftlern zusammengearbeitet, nach den Aspekten, die uns wichtig waren. Es sollte auf jeden Fall etwas „Grünes“ und etwas Sättigendes für den Abend dabei sein. Natürlich besuchen wir auch immer wieder Messen und schauen, was es Neues gibt. Wie zum Beispiel das blaue Spirulina, das wir seit drei Jahren im Programm haben und das jetzt auch von der Konkurrenz entdeckt wurde.

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Woher kommen eure Zutaten?

Wir versuchen, unsere Zutaten möglichst regional zu beziehen. Bei Ingwer und Ananas ist das natürlich leider nicht möglich, aber ansonsten achten wir sehr auf Regionalität bzw. eine deutsche Herkunft unserer Rohstoffe.

Und wo stellt ihr eure Produkte her?

Da wir sehr hohe Maßstäbe angesetzt haben, mussten wir sehr lange suchen, um die Produkte nach unseren Vorstellungen herstellen zu können. Es sollte unbedingt ein Kaltpressverfahren sein, wir wollten natürlich unsere Rezepturen verwirklichen und auch beim Packaging möglichst wenig Kompromisse eingehen. Wir haben ewig gesucht, und haben schließlich einen Produzenten in der Nähe von München, am Starnberger See, gefunden.

Sind eure Zutaten bio?

Wir waren mal biozertifiziert, allerdings mussten wir da zu oft auf Tiefkühlware ausweichen, weil zum Beispiel Grünkohl nicht ganzjährig frisch in Bioqualität erhältlich ist – und das hat unserem Ziel, nur ganzes, frisches Obst und Gemüse zu verwenden, widersprochen. Wir verwenden keine Pürees, keine Konzentrate. Unsere Suppen sind bio, aber bei den Säften konnten wir es leider nicht beibehalten. Aber wir achten, wie gesagt, darauf, die Zutaten regional zu beziehen.

Wieso habt ihr euch für Plastik als Verpackung entschieden? Das steht ja gerade sehr in der Kritik.

Wir mussten zwischen Nachhaltigkeit und Vitaminprofil wählen, und haben uns für letzteres entschieden. Das ist vor allem der Tatsache geschuldet, dass wir unsere Produkte mit dem HPP-Verfahren haltbar machen: Die abgefüllte Flasche kommt in ein Wasserbad und wird dort hohem Druck ausgesetzt. Da wirken 600 Bar auf die Flasche ein. Bei diesem Verfahren würde eine Glasflasche schlicht zerspringen. Aktuell gibt es leider keine vitaminfreundlichere Alternative zu diesem Verfahren. Das ist auch unser Dilemma, weil der Kunde natürlich nach einer nachhaltigen Verpackung fragt, deswegen steigen wir ab Januar zumindest auf rPET, also recyceltes PET, um. Aber wir werden den Markt weiter beobachten und schauen, ob es irgendwann andere Möglichkeiten gibt.

Woran arbeitet ihr derzeit?

Es wird grüner und es wird ein bisschen kleiner. Wir reduzieren die Kuren von 3 Litern täglich auf 1,8 bis 2,3 Liter, weil wir das Kundenfeedback bekommen haben, dass ihnen kleinere Mengen lieber wären. Man soll zusätzlich zu den Säften während einer Kur ja auch viel Wasser trinken.

Ansonsten möchten wir noch mehr auf unsere Kunden eingehen und zum Beispiel spezielle Produkte für Sportler entwickeln. Wir überlegen auch, zu den Cleanse-Kuren noch weitere Detox-Produkte anzubieten. Wir haben das Ohr immer am Verbraucher.

Vielen Dank für das Gespräch, Daniel.

Hier findet ihr Frank Juice:

   

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