Ali Ahmad von InnovaMaxx: “Niederschläge machen dich groß und erfolgreich, das hat mich mein Leben gelehrt.”

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16. Januar 2020
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Als Ali Ahmad 14 Jahre alt ist, werden seine Eltern in den Libanon abgeschoben – eine Wende im Leben des Berliner Unternehmers. Er lässt sich von der Krise und der deutschen Bürokratie nicht unterkriegen und streckt im zarten Alter von 16 Jahren seine Fühler in Richtung Unternehmertum aus. Was mit selbst zusammengelöteten Kartenlesegeräten beginnt, ist heute ein Unternehmen, das mit Produktinnovationen im Home Fitness-Bereich 50 Millionen Euro Umsatz im Jahr macht. Eine essentielle Rolle spielt dabei Amazon, der wichtigste Distributionskanal für Ali Ahmads Produkte. So wurde „InnovaMaxx“ bei den „Amazon Verkaufspartner Awards“ gerade zum „Export Champion des Jahres“ gewählt. Das ist umso erfreulicher, da kleine und mittlere Unternehmen nicht oft im Rampenlicht stehen, obwohl sie eine wichtige Säule der deutschen Wirtschaft sind: Kleine und mittlere Unternehmen, die bei Amazon.de verkaufen, haben bis dato 120.000 Arbeitsplätze geschaffen. Weltweit stammen mehr als die Hälfte aller bei Amazon verkauften Produkte inzwischen von solchen Verkaufspartnern. Was Ali in seiner zweijährigen Zeit in China gelernt hat, warum er sich nie unterkriegen lassen hat und warum er täglich die “Amazon Bestseller Rankings” checkt, erzählt er uns im Berliner Headquarter.

 

Ich komme aus einem Elternhaus, das mich Dankbarkeit gelehrt hat – für die Dinge, die man hat.

homtastics: Mit drei Jahren bist du mit deiner Familie nach Deutschland gekommen, deine Eltern wurden in den Libanon abgeschoben, als du 14 Jahre alt warst. Wie bist du mit der Situation damals umgegangen?

Ali Ahmad: Das war die Wende in meinem Leben. Es war ein Schock, als die Polizei klingelte und meinen Vater in Handschellen abführte. Als kleiner Junge ist das hoch emotional, du verstehst nicht, was da passiert – dein Vater tut schließlich keiner Fliege etwas zuleide. Die Abschiebung stürzte unsere Familie in eine schwere Krise. Meine Eltern sind danach im Libanon geblieben. Ich habe es aber letztes Jahr geschafft, dass meine Eltern legal in Polen einreisen konnten, damit ich sie dort treffen konnte. In Polen betreibe ich ein Call Center.

Stand damals zur Debatte, dass du deinen Eltern in den Libanon folgst?

Nein, ich bin mit meinen beiden Brüdern und meiner Schwester in Deutschland geblieben. Ich sollte auch abgeschoben werden. Da ich minderjährig war, ging das aber nicht. Meine Mutter war zwar nicht zur Abschiebung vorgesehen, sie wollte aber, dass mein älterer Bruder die Vormundschaft für mich übernimmt, mit der Hoffnung, dass wir irgendwann einen Aufenthaltstitel bekommen. Deswegen ist sie freiwillig zurück in den Libanon gegangen.

Ist der Plan deiner Mutter aufgegangen?

Erstmal nein, das Dilemma ging erst richtig los. Wir konnten zwei Jahre nicht zur Schule gehen, weil wir von einem Ort zum anderen gezogen sind. Als ich endlich wieder auf eine Schule durfte, sollte ich eine Sonderschule besuchen. Dagegen hat sich mein älterer Bruder gewehrt. Er wusste, dass ich viel zu clever bin. Nach einem halben Jahr sagte der Direktor,  ich solle auf eine Realschule oder auf ein Gymnasium gehen.

Ali Ahmad lebt mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern in Berlin.

Ist in der Zeit dein Interesse für den E-Commerce entstanden? Du hast ja sehr früh losgelegt.

Zu der Zeit wollte ich Informatiker werden. Ich konnte Computer formatieren und hatte Spaß dran. Aber ich hatte nur eine Duldung in Deutschland und die Ausländerbehörde sagte mir, sobald ich volljährig bin, werde ich abgeschoben.

Eine nicht gerade motivierende Zukunftsaussicht.

Ich bin irgendwann zu dem Beamten gegangen und habe ihm meine guten Zeugnisse gezeigt und gesagt, dass ich ein Ausnahmeschüler bin. Ein Schulausflug nach München stand an, aber ich durfte meinen Bezirk nicht verlassen, also wollte ich mir eine Genehmigung holen. Der Beamte hat mir einen Zettel zum Unterschreiben unter die Nase gelegt. Zum Glück hat mein Bruder sofort reagiert und nachgehakt: Ich hatte eine Einverständniserklärung unterschrieben, dass die libanesische Botschaft einen Pass für mich ausstellen kann, damit ich ausreisen kann.

Unglaublich. Was habt ihr dann gemacht?

Den Zettel zerrissen. Zum Glück.

In jungen Jahren wurde von deutschen Behörden extrem in dein Leben eingegriffen. Hast du über die Jahre deinen Frieden damit geschlossen?

Meine deutsche Staatsbürgerschaft habe ich erst vor zwei Jahren bekommen, das hätte ruhig schneller gehen können. (Lacht) Das tut natürlich weh und viele Jugendfreunde sind den komplett anderen Weg gegangen und auf die schiefe Bahn geraten – sie haben das damit gerechtfertigt, dass Deutschland schlecht zu ihnen ist.

Es gibt so viele erfolgreiche Unternehmer mit Migrationshintergrund, zum Beispiel in den USA. Das macht die Wirtschaft spannender und das Land bekommt frischen Wind durch unterschiedliche Kulturen.

Warum bist du diesen Weg nicht gegangen?

Ich komme aus einem Elternhaus, das mich Dankbarkeit gelehrt hat – für die Dinge, die man hat. Uns ging es in Deutschland nicht super gut, aber eben auch nicht so schlecht wie in unserem Heimatland. Eine Duldung in Deutschland ist immer noch besser als Krieg im Libanon. Und das Leben hat mich gelehrt, geduldig zu sein – gerade hinsichtlich der deutschen Bürokratie. Ich bin den Beamten ja auch ein Stück weit dankbar.

Ich bin aber auch mal hingegangen und habe gefragt, was ich denn tun kann, damit ich in Deutschland akzeptiert werde und hier bleiben kann. Ich wollte schließlich studieren und mir etwas aufbauen. Der Beamte in der Ausländerbehörde sagte: „Es gibt zwei Möglichkeiten: Du schwängerst eine Deutsche oder du heiratest eine.“ Da war ich 16 Jahre alt.

Daran sieht man sehr gut, in welcher Schieflage das System sich befindet. Es gibt zu wenig Anreize für beruflich motivierte Geflüchtete.

Das System ist manchmal eiskalt, dennoch stecken Menschen dahinter und ein Beamter sollte auch nach Gefühl und Augenmaß entscheiden können. Es gibt so viele erfolgreiche Unternehmer mit Migrationshintergrund, zum Beispiel in den USA. Das macht die Wirtschaft spannender und das Land bekommt frischen Wind durch unterschiedliche Kulturen.

Was hast du nach der unmotivierenden Aussage des Beamten gemacht?

Ich habe meinen Vater angerufen und ihm gesagt, dass ich wahrscheinlich in zwei Jahren zu ihm in den Libanon komme. Er war schockiert. Ich habe keinen Sinn mehr darin gesehen zur Schule zu gehen. Damals hatte ich erste Schritte in die Selbständigkeit gewagt. Ich hatte mit 50 Euro Startkapital kleine Kartenlesegeräte gebastelt und damit 25.000 Euro Umsatz gemacht. Mein Bruder ist Elektriker und zeigte mir das Löten. Die fertigen Geräte habe ich über eBay verkauft. Mit dem Geld konnten meine Eltern im Libanon ihre Wohnung renovieren.

Gerade wurde Ali Ahmads Unternehmen „InnovaMaxx“ zum „Amazon Export Champion des Jahres“ gewählt.

Was war dann der nächste Step?

Ich habe mich über Elektronikprodukte aus China informiert, die ich importieren wollte. Mein Bruder sagte, ich müsse ein Gewerbe anmelden. Mein erster Import waren MP3-Player mit 32 MB. Die haben wir gut verkauft und konnten schnell eine Bürofläche mieten. Das lief zwei Jahre sehr gut, wuchs uns aber komplett über den Kopf. Irgendwann hatten wir Probleme mit dem Zoll, der Produkte beschlagnahmte, die seines Erachtens TÜV haben sollten. Das hat uns das Genick gebrochen.

Was hast du nach dem Rückschlag gemacht?

Ich bin für zwei Jahre nach China gegangen und habe in Shenzhen gelebt. Zu dem Zeitpunkt war ich verheiratet. Kurz vor der Abschiebung habe ich meine Frau kennengelernt, mit der ich drei Kinder habe. Durch die Heirat habe ich meinen deutschen Aufenthaltstitel bekommen.

Also kam es doch so, wie der deutsche Beamte es einst prophezeit hatte.

Tatsächlich ja. In China wollte ich herausfinden, wie die Chinesen ticken, wie die chinesische Mentalität ist. Warum bekommt man mal eine gute Produktcharge und mal eine minderwertige? Die zwei Jahre haben mir extrem gut getan, das war mein persönliches Auslandsstudium.

Was sind die Herausforderungen bei der Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen?

Die Mentalität und die Kommunikation, die Zahlungsmodalitäten, Shipping, Qualitätskontrolle … nichts davon lernst du an einer deutschen Uni. Die große Frage ist: Wie catchst du eine Innovation, bevor jeder andere sie kennt? Ich habe mir neue Produkte angesehen und überlegt, wie man diese für den EU-Markt anpassen kann.

Warum bist du wieder nach Deutschland zurückgekommen?

Weil meine Frau schwanger wurde und auf keinen Fall in China entbinden wollte. Die Entscheidung war nicht einfach, aber richtig. In Berlin lebt schließlich unsere Familie. Kurz nach der Geburt meines ersten Sohnes habe ich 2012 „InnovaMaxx“ gegründet. Ich wusste, ich habe genug Erfahrung und Know-how, um eine eigene Firma zu gründen. Produkte verkaufen ist eine Fähigkeit – und die habe ich drauf.

Wenn wir ein Produkt auf den Markt bringen, dann investieren wir so viel Energie, Herz und Seele rein, dass der Kunde am Ende komplett begeistert ist.

Was ist die Kernidee von „InnovaMaxx“?

Innovationen zu finden und diese so zu verpacken, dass der Kunde das Produkt unbedingt haben will. Es geht um maximale Innovation.

Ihr entwickelt zusammen mit Ingenieuren Produkte weiter. War das von Anfang an der Plan?

Ja. Wenn wir ein Produkt auf den Markt bringen, dann investieren wir so viel Energie, Herz und Seele, dass der Kunde am Ende komplett begeistert ist. Dazu gehört eben auch, an dem Produkt etwas zu verändern. Marketing ist enorm wichtig, reicht aber allein nicht aus. Wir kreieren Entscheidungsmerkmale zur Konkurrenz mit innovativen Zusatzfunktionen.

Und die lasst ihr dann patentieren?

Genau, wir haben sehr viele Patente. Gestern habe ich gerade Trainingswesten mit integrierten Gewichten und coolen Features patentieren lassen.

Welche Produkte sind besonders gefragt? Wo geht der Trend hin?

Wir haben zwei Marken: Unter „Sportstech“ vertreiben wir Home-Fitnessgeräte und unter „Bluewheel“ verkaufen wir Electro Mobility-Produkte. 70 Prozent des Unternehmensumsatzes generieren wir mit Sportstech, hier kooperieren wir zum Beispiel mit Otto.de, Lidl oder Saturn. Ein großes Thema sind Spinning Bikes, wir wollen dem amerikanischen Unternehmen Peloton Konkurrenz machen. Über ein Display kannst du interaktiv mit deinem Trainer trainieren. Hoverboards und E-Bikes sind auch sehr gefragt, hier entwickeln wir gerade Innovationen.

Hast du das Gefühl, dass die Menschen mehr in Fitness Studios gehen oder dass sie lieber im privaten Raum Sport treiben möchten? Wie schätzt du generell die Entwicklung des Home Fitness-Markts ein?

Der Markt wird explodieren, alles geht in Richtung Social Fitness. Du kannst zusammen mit deinen Freunden interaktiv auf deinem Ergometer trainieren. Es gibt dann vier Kameras und ihr könnt sogar videochatten. Im Winter trainieren die Leute eh lieber drinnen und generell haben alle wenig Zeit, keiner möchte mehr lange Anfahrtswege in Fitness Studios auf sich nehmen.

Allerdings brauchen Heimtrainer Platz.

Zum Glück werden die Geräte immer kleiner und einen Meter sollte jeder in seiner Wohnung übrig haben.

Ali ist immer auf der Suche nach Innovationen im Home Fitness Segment.

Was ist dein persönlicher Karriereratschlag, den du anderen Gründern mit auf den Weg geben kannst?

Niederschläge machen dich groß und erfolgreich, das hat mich mein Leben gelehrt. Ich habe mich von keiner einzigen Niederlage ausknocken lassen, sondern bin immer wieder aufgestanden, drangeblieben und habe es geschafft.

Woraus hast du diese Kraft geschöpft?

Ich hatte schlichtweg keine andere Möglichkeit. Aufgeben war keine Option. Hätte ich vielleicht eine Ausbildung oder ein Studium gemacht, hätte ich eventuell aufgegeben, da die Familie in einer Krise war. Aus der Not heraus habe ich meinen Erfindergeist geweckt. Ich merkte irgendwann: Du hast es drauf. Du kannst es und die Kunden kaufen deine Produkte.

Das heißt, den Glauben an dich selbst hast du dir trotz aller Rückschläge immer bewahrt?

Definitiv. Klar bin auch ich an den Punkt gekommen, an dem ich extrem an mir gezweifelt habe, aber ich habe mich dennoch motiviert. Ich habe gedacht, wenn ich diszipliniert genug arbeite, ist Erfolg möglich. Diesen Hunger habe ich bis heute. Ich komme jeden Morgen ins Büro und sorge dafür, dass es weiter geht. Und ich habe das Business nie rein aus der Liebe zum Geld gemacht. Ich hätte mir schon früh tolle Sachen leisten können, habe es aber nicht getan. Das eingenommene Geld habe ich immer sofort reinvestiert. Als das Unternehmen schon eine Million Umsatz im Jahr gemacht hat, bin ich noch mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren.

Ich habe mich von keiner einzigen Niederlage ausknocken lassen, sondern bin immer wieder aufgestanden, drangeblieben und habe es geschafft.

Wie viel Umsatz macht ihr heute?

Das Geschäftsjahr 2019 schließen wir mit 50 Millionen Euro Umsatz ab.

Respekt! Ihr wurdet bei den „Amazon Verkaufspartner Awards“ gerade zum „Export Champion des Jahres“ gewählt – herzlichen Glückwunsch! Welche Rolle spielt Amazon bei eurer digitalen Distributionsstrategie?

Erstmal ein großes Dankeschön an dieser Stelle an Jeff Bezos – und das meine ich ernst. Egal, was man über ihn sagen mag, er ist ein Genie. Ohne Amazon wären wir mit unserem Unternehmen niemals da, wo wir heute sind. Das Amazon-Team leistet einen mega guten Job, die Plattform ist der Wahnsinn – man muss eben nur wissen, wie man sie perfekt für seinen Vertrieb nutzt. Den Großteil unserer Zielgruppe in Deutschland erreichen wir über Amazon, auf keiner anderen Plattform haben wir so starke Umsätze.

War Amazon von Anfang an Teil Eurer Strategie?

Generell sind wir da, wo der Kunde ist – digital wie stationär. Unser Wachstum ist aber ganz klar durch die starke Amazon-Präsenz entstanden und ihr zu verdanken, vor allem auch im Ausland. Nächstes Jahr starten wir unsere Expansion auf Amazon.com, also dem amerikanischen Markt. Die Container sind schon geladen.

Das klingt nach komplexen Abstimmungen mit dem Zoll.

Amazon hatte sich schon vor längerer Zeit wegen Amazon.com bei uns gemeldet und wir haben uns extra viel Zeit gelassen, weil wir zu den Unternehmen gehören, die ordentlich die rechtlichen Grundlage eines Geschäftes und eines Produktes prüfen lassen, bevor sie starten. Die rechtliche Lage in den USA ist sehr komplex, vor allem hinsichtlich der Produkthaftung. Wir haben uns intensiv vorbereitet, eine kleine Produktpalette auf Herz und Nieren getestet und für den amerikanischen Markt optimiert. Wir werden nächstes Jahr bestimmt ein paar Kunden in den USA mit unseren Produkten begeistern.

Wir drücken die Daumen für die Expansion und danken dir für das spannende Interview, lieber Ali.

 

Hier findet ihr „InnovaMaxx“:

– Werbung: Diese Story entstand in Zusammenarbeit mit Amazon –

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