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Plus-Size-Blogger Claus von EXTRA INCHES: „Ich möchte dicken Männern zeigen, was möglich ist.“

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Eigentlich war es nur als Spaß gedacht. Claus Fleissner lief vor zweieinhalb Jahren als Model bei einem Plus-Size-Event über den Laufsteg – und dann ging alles ganz schnell. Eine Agentur nahm ihn unter Vertrag, er startete sein Blog EXTRA INCHES und hat jetzt Fans in der ganzen Welt. All das kann er manchmal selbst noch nicht glauben. Wir treffen Claus in seiner Wohnung in Frankfurt-Gallus, wo er uns seine Lieblingsoutfits aus der aktuellen “Große Größen”-Kollektion von C&A zeigt. Was ihm an diesen Stücken besonders gefällt, welche Mission er mit seinem Blog verfolgt und wie er zu der aktuellen Body-Positivity-Debatte steht: Das verrät er uns persönlich auf seiner Couch!

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Wir treffen Claus in seiner Heimatstadt Frankfurt. Er trägt ein blaues Sakko, ein gestreiftes T-Shirt und eine Hose aus Bio-Baumwolle, alles von C&A.

Ich war 37 und wog 130 Kilo – da liegt der Traum einer Modelkarriere nicht gerade nah.

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homtastics: Claus, wie hat das alles angefangen? Wann bist du auf die Idee gekommen, einen Plus-Size-Blog zu starten?

Claus Fleissner: Ich arbeite hauptberuflich bei einem Onlineshop für große Größen und war deshalb auf einer Plus-Size-Messe im Einsatz. Dort war eine Modenschau nur mit Frauen geplant und die Organisatorin schlug plötzlich vor: “Wie wäre es, wenn du als Überraschung als einziger Mann mitläufst?” Da musste ich erstmal einen Tag überlegen, aber dann dachte ich: Warum nicht? Den Gag mache ich mit.

Und so wurdest du entdeckt?

Meine jetzige Agentin hat mich auf dem Catwalk gesehen und nach der Modenschau angesprochen. Ich war total überrascht. Ich war 37 und wog 130 Kilo – da liegt der Traum einer Modelkarriere nicht gerade nah. Aber ich dachte, es kann ja nicht schaden. Was dann passierte, hat mich total überrollt. Ich wurde sofort von einem großen Katalogkunden für zwei Jahre durchgebucht, eins meiner ersten Shootings war in London, ein Jahr später bin ich für ein Shooting nach Kapstadt geflogen. Das war völlig krass und ich fragte mich schon: Wie kann das alles sein? Warum ich?

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Eins meiner ersten Shootings war in London, ein Jahr später bin ich für ein Shooting nach Kapstadt geflogen.

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Hattest du damals auch schon dein Blog – oder hast du den parallel zu deiner Modelkarriere gestartet?

Die Idee dazu entstand auf der gleichen Veranstaltung, auf der ich den ersten Modeleinsatz hatte. Dort habe ich ganz viele Plus-Size-Bloggerinnen getroffen, wir haben Instagram-Profile ausgetauscht – heutzutage fragt ja niemand mehr nach den Telefonnummern – und sie fanden meinen Feed ziemlich cool. Sie waren alle der Meinung, ich müsste etwas daraus machen, weil es im deutschsprachigen Plus-Size-Bereich noch keine männlichen Blogger gab. Es gab damals einen Blogger aus Luxemburg, der auf Deutsch gebloggt hat und auch mal Plus-Size-Fashion thematisiert hat – aber das war alles.

Dann musst du einen ziemlich überzeugenden Job bei Instagram gemacht haben. Was gab es denn in deinem Profil zu sehen?

Ich habe schon früher oft ein “Outfit of the day” und solche Geschichten gepostet. Es war das klassische private Fotoalbum, aber mit einem sehr hohen Modeanteil. Ich selbst fand es schon immer schwierig, als Mann Inspiration in der Mode zu finden. Ganz unabhängig von der Größe: Wie sieht denn ein cooles, schickes Abendoutfit aus? Dann gibt es ein paar Stars, die ganz wild unterwegs sind. Ich bin schon immer Leuten wie Lenny Kravitz, Jared Leto oder Bill Kaulitz gefolgt, aber das sind meistens Styles, die in großen Größen nicht funktionieren. Von ihnen habe ich mich trotzdem inspirieren lassen, das Interesse für Fashion war also immer da.

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“Es ist für mich immer schwer, ein gutes Sakko zu finden. Das Sakko von C&A ist super geschnitten. Der Schnitt ist bombig, das sitzt einfach.”

Und wie können wir uns deinen Arbeitsalltag jetzt vorstellen? Jettest du ständig für Shootings um die Welt und postest von unterwegs Blogeinträge?

Nein, ich arbeite noch vier Tage pro Woche in meinem Bürojob. Nebenbei modele ich und habe das Blog als mein Baby. Jetzt habe ich auch noch ein Abendstudium zum Social-Media-Manager angefangen, damit es nicht langweilig wird. Ich hätte Lust darauf, hauptberuflich zu modeln und zu bloggen, aber ich bin sehr auf Sicherheit bedacht – deshalb würde ich nicht meinen Job dafür kündigen. Es ist ein krasses Business und du kannst dich nie darauf verlassen, dass dein Typ nächstes Jahr oder sogar nächsten Monat noch gefragt ist. Deshalb wäre mir das Risiko zu groß. Also geht meistens mein Urlaub für die Modeljobs drauf.

Trotzdem veröffentlichst du regelmäßig Blogeinträge – sogar auf Deutsch und Englisch. Viele Influencer beschränken sich ja nur auf Instagram-Posts.

Ich finde es immer schwierig, wenn ich mir selbst Inspiration holen möchte und dann hinter einem Foto kein Blog-Beitrag steckt, der mir weiteren Input gibt. Als Leser möchte ich tiefere Informationen bekommen und die Idee hinter dem Outfit verstehen. Deshalb habe ich mir am Anfang wirklich überlegt, wie mein Wunschblog aussehen würde und EXTRA INCHES entsprechend aufgebaut. Mit Blog, Facebook-Profil und Instagram-Feed.

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Es gibt den Trend, dass viele Männer sich mehr trauen, öfter mal etwas Neues ausprobieren.

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Kamen die englischen Beiträge später dazu? Als du international erfolgreich wurdest?

Meine Instagram-Postings waren von Anfang an zum großen Teil englisch. Im letzten Jahr habe ich dann auch mit englischen Blog-Beiträgen angefangen. Internationale Reaktionen habe ich schon sehr schnell bekommen: Nach einem halben Jahr kam eine Interviewanfrage vom Independent, auch Buzzfeed hat mich geteilt – das ist wirklich unfassbar schnell groß geworden. Mittlerweile habe ich Follower in der ganzen Welt. In Brasilien ist eine sehr große Szene, in den Staaten sowieso. Aus England kommen viele Reaktionen, auch aus Holland, Frankreich oder Spanien. Ich wollte, dass auch diese Menschen alle die Texte zu meinen Posts lesen können.

Das ist wirklich verrückt, wie riesig der Erfolg ist – vor allem international. Gibt es denn so wenige männliche Plus-Size-Blogger? Oder kommst du einfach besonders gut an?

Vermutlich war ich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort – mit dem richtigen Produkt, wenn man es so sagen will. Es gibt in Deutschland mittlerweile zwei, drei Jungs, die etwas Ähnliches machen, das ist super. Das Thema wächst langsam, es gibt auch immer mehr männliche Plus-Size-Models, viele Marken starten eigene Kollektionen, weil sie sehen, dass der Markt da ist. Bei Frauen ist die Mode wie immer schon um einiges weiter, da bekommst du auch bei den großen Ketten in den Einkaufsstraßen große Kollektionen. Langsam tut sich auch bei der Männermode immer mehr, gleichzeitig gibt es den Trend, dass viele Männer sich mehr trauen, öfter mal etwas Neues ausprobieren.

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Zu Hause mag Claus es casual! Er trägt ein Jeanshemd, ein gestreiftes T-Shirt aus Bio-Baumwolle und eine Shorts, alles von C&A.

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Ist das deine Mission hinter deinem Blog? Andere Männer ermutigen, sich mehr zu trauen?

Ich möchte dicken Männern zeigen, was möglich ist. Eine Jeans und einen Pulli findest du natürlich als Plus-Size-Mann. Aber es gibt immer ausgefallenere und stylischere Sachen und es macht Spaß, das einfach mal zu zeigen. Letztens habe ich von einem Leser das Feedback bekommen, es sei sein Super-Mutmach-Blog – und das gibt dir natürlich ein total gutes Gefühl. Wenn du weißt, dass du nicht einfach nur ein Outfit knipst und sagst: “Guck mal, ich habe etwas Hübsches an.” Ich möchte Inspiration und Hilfestellung bieten.

Oft kommt Feedback von Männern, die schreiben: “Cool, ich trau mich das auch mal, weil ich es bei dir gesehen habe.” Klar, wenn ich ein total wildes Outfit zeige, dann bastelt das niemand Stück für Stück nach, aber vielleicht pickt er sich ein Teil davon heraus. Ich bekomme auch Bilder geschickt von Lesern, die meine Outfits nachgekauft haben – das ist natürlich großartig. Und dafür lohnt es sich, auch um elf Uhr abends noch einen Beitrag zu schreiben.

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Ich würde nicht jeden Tag sagen, ich liebe mich und finde mich total toll – aber ich bin zufrieden mit mir selbst.

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“Bei dem T-Shirt merkt man, dass sich jemand Gedanken gemacht hat. Oft haben große Shirts so Flügelärmel, die sehen ganz eigenartig aus. Früher bin ich immer mit meinen T-Shirts zur Schneiderin gegangen und habe sie enger nähen lassen. Wenn man schlechtsitzende T-Shirts trägt, dann sieht man nämlich erst richtig dick aus. Deshalb finde ich es immer super, wenn Shirts in großen Größen gut sitzen.”

 

Dein Motto im Blog ist “Accept your Extra Inches – love yourself!” Fiel dir das schon immer so leicht oder hattest du auch mal Probleme mit dir selbst und deiner Figur?

Ich habe eigentlich nie ein Problem mit mir gehabt. Wenn ich vor dem Spiegel stehe, denke ich meistens: Jo, passt irgendwie alles. Ich würde nicht jeden Tag sagen, ich liebe mich und finde mich total toll – aber ich bin zufrieden mit mir selbst. Bei mir war es kein Prozess, in dem ich mir das erarbeiten musste, es war schon immer so. Wäre ich unzufrieden und fände mich nicht okay, dann würde ich versuchen, etwas zu ändern.

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Hättest du denn trotzdem Tipps für Menschen, denen das nicht so einfach gelingt? Die mit sich selbst hadern?

Am wichtigsten ist es, zu hinterfragen, warum man sich unwohl fühlt. Ist es, weil mich selbst etwas stört? Oder weiß ich nur, dass ich nicht in die gängige Norm passe, die in der Gesellschaft als schön gilt? Wenn ich mich eigentlich wohl fühle und Lust hätte, ein bunt gemustertes Hemd zu tragen – warum mache ich das dann nicht? Vielleicht habe ich Angst, dass jemand denkt: Was will der Dicke mit dem bunten Hemd? Oder fühle ich mich selbst doch nicht wohl in bunten Sachen? Daran kann man arbeiten und etwas vorsichtig ausprobieren. Zieh über das bunte Hemd eine Jeansjacke und lass nur einen Teil herausblitzen. Man sollte sich in seinen Klamotten wohlfühlen und sie nicht nutzen, um sich zu verstecken.

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“Ich finde vor allem den Schnitt der Sachen super: Oft kommt es vor, dass zusätzlich zur Breite die Länge zunimmt – aber nicht jeder, der dick ist, ist auch 2,20 Meter groß. Bei C&A sind die Größen ziemlich gut skaliert.”

 

Hast du denn in diesem Zusammenhang auch schon mal negative Reaktionen auf deinen Blog bekommen?

Es gibt auch Leute, die schreiben: “Ihr seid doch fett und das ist ungesund, das darf man nicht verherrlichen.” Das finde ich immer etwas schwierig. Ja, ich bin dick und ich fühle mich wohl damit. Nicht jeder Dicke möchte etwas ändern und wäre gerne schlank – und ich schreibe ja auch nicht, jeder soll dick bleiben oder 20 Kilo zunehmen, damit er meine Looks tragen kann. Aber auch wenn man abnehmen will, sollte man in dieser Zeit etwas Cooles zum Anziehen haben. Wenn du dich in deinem Körper sowieso schon unwohl fühlst und dann auch noch schlechte Klamotten trägst, dann ist das nochmal ein Downer für dein Selbstwertgefühl. Aber natürlich ist die ganze Diskussion schwierig: Wenn jemand unter seinem Übergewicht leidet oder Probleme damit hat, dann ist es nicht gut. Ich persönlich will ein bisschen an meiner Kondition arbeiten, aber sonst bin ich fit – ich habe keine schlechten Blutwerte oder sonst irgendetwas.

 

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Von wo aus Claus die Plus-Size-Blogger-Welt erobert? Von der Couch of course! Er trägt ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle und eine Jogginghose, alles von C&A.

Im Zuge der Body-Positivity-Bewegung gibt es ja auch immer mehr Plus-Size-Kollektionen bei großen Marken. Findest du so etwas gut – oder ist das eigentlich eine künstliche Trennung? Könnte man nicht einfach die normalen Kollektionen in größeren Größen produzieren?

Einige Hersteller machen das, aber es ist nicht ganz einfach – du brauchst Spezialwissen für Plus-Size-Fashion. Du kannst bei einem T-Shirt nicht nur die Maße hochskalieren und an allen Seiten ein paar Zentimeter zusätzlich annähen. Das sind andere Schnitte: Man braucht ein bisschen mehr Armausschnitt und ein bisschen mehr Spiel am Bauch. Deshalb ist es schon okay, dass es spezielle Kollektionen gibt. Aber klar fände ich es geil, wenn ich durch die Fußgängerzone gehe und weiß: Alles, was ich im Schaufenster sehe, kann ich auch in meiner Größe kaufen. So ist es normalerweise nicht – aber manchmal erlebt man auch überraschende Erfolgserlebnisse, das macht dann auch Spaß.

Auch wenn du viel online kaufst: Würdest du dir wünschen, dass es mehr große Hersteller gibt, bei denen du einfach mal in der City shoppen kannst?

Das Einkaufserlebnis ist schon ein anderes. Du kannst ins Geschäft gehen, mehrere Stücke in verschiedenen Größen mit in die Kabine nehmen, sie direkt mit anderen Teilen kombinieren und ganze Outfits probieren. Und später vollbepackt mit Tüten durch die Stadt zu laufen, ist auch immer ein schönes Gefühl.

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Man sollte sich in seinen Klamotten wohlfühlen und sie nicht nutzen, um sich zu verstecken.

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Du machst dir offensichtlich viele Gedanken darüber, wie das perfekte Plus-Size-Stück geschnitten sein sollte. Hättest du auch mal Lust auf eine eigene Kollektion?

Klar, das wäre geil. Das ist ehrlich gesagt noch ein großer Traum von mir – am liebsten eine kleine Capsule Collection mit einem Hersteller zusammen. Ich hätte total Bock, meine eigenen Vorstellungen einzubringen und zu zeigen, was uns als Käufern besonders wichtig ist und worauf es wirklich abkommt. Aber bislang hat mir das leider noch niemand angeboten. Aber jetzt wisst ihr alle Bescheid: Ich wäre bereit – und hätte wirklich viele Ideen.

Vielen Dank für den netten Vormittag, lieber Claus!

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Hier findet ihr Claus:

Fotos: Pelle Buys

Interview: Julia Allmann

Layout: Carolina Moscato

– Werbung: in Zusammenarbeit mit C&A –

 

 

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